März 29th, 2008 at 10:44pm
Mein erstes Treffen mit meinem neuen Chef vor einigen Wochen war sehr entspannt und positiv: wer kann in so einem Gespräch in Deutschland schon gleich auf die heiklen Themen Urlaub im Sommer und Reduzierung der Arbeitszeit (während Julies 4-monatigem Sprachkurs) zu sprechen kommen. Das wurde aber als völlig natürlich angesehen und da wird es wohl keine Probleme geben – es ist schon toll, wie man hier unterstützt wird, vor allem wenn man Kinder hat. Nachdem wir eine Woche hier waren, klingelte es an der Tür in unserer doch noch rudimentär einrichtetem Haus und wir bekamen einen grossen Blumentstrauß in einer grossen Vase von meinem Chef zugeschickt – kleine Geste, grosse Wirkung!
Gestern hatte ich meinen ersten Praktikumstag im Krankenhaus – von jetzt an jeden Freitag bis zum Ende des Sprachkurses in 4 Wochen. Ich wurde sehr nett empfangen von meinen neuen Kollegen und das Arbeitstempo war doch deutlich langsamer als in Deutschland und allgemein die Atmosphäre sehr entspannt und kollegial. Das ist natürlich alles sehr früh und man muss erstmal richtig anfangen zu arbeiten.
Ich war positiv überrascht wieviel ich schon verstanden habe bei den Gesprächen zwischen Ärzten und Krankenschwestern, aber auch mit den Patienten. Ab und zu musste ich aber mal abschalten, wenn einige alte Patienten zu lange nuschelige Monologe hielten, dafür reicht dann mein Schwedisch doch noch nicht bzw. die Konzentrationsfähigkeit ist dann bald erschöpft. Die ersten Monate werden wahrscheinlich sehr anstrengend werden, aber ich freue mich auf die neue Herausforderung.
Mehr über die Arbeitsfortschritte später……….
März 29th, 2008 at 10:01pm
Als wir ankamen herrschte ja noch richtiger Winter, wobei der dieses Jahr wohl recht mild ausfiel. Am Osterwochenende hatten wir dann zwar nochmals -19°C, aber zwischenzeitlich lag fast kein Schnee mehr. Wir haben aber soweit möglich mit den Kindern, die Zeit genutzt und das hiesige Wintersportangebot ausgelotet: die Loipen sind phantastisch, wie sich das für die Heimat des Wasalaufes ja auch gehört. Es gibt ein Skistadion, wo fast immer was los ist und wo die alle Loipen anfangen. Wieviele Kilometer das sind wissen wir nicht genau, aber es gibt auch ca. 30km beleuchtete Loipen für die kurzen Wintertage. Wir fahren von hier ca. 10min mit dem Auto hin.
Noch kürzer ist es zu den Seen, die seit unserer Ankunft kontinuierlich zugefroren sind. Wie sich Gunter ja schon in D vorgenommen hatte, stand das Schlittschuhlaufen ganz oben auf der Wunschliste. Das Abschiedsgeschenk meiner Kollegen aus Bruchsal habe ich dann auch bald eingelöst und mir eine paar super Langlaufschlittschuhe gekauft – vielen Dank nochmals nach Brusel, ein besserer Geschenk war nicht möglich! Man kann sie einfach unter die Langlaufschuhe unterschnallen und viele Leute (ich auch) nehmen auch gleich noch die Langlaufstöcke mit, dann läuft man noch schneller, vor allem bei Gegenwind.
Ein lokaler Verein (http://www.orsa200k.se) kümmert sich ehrenamtlich um das Freiräumen und teilweise auch Polieren der Schlittschuhbahnen und die Parkplätze AUF dem Eis (aktuell ca. 30-50cm dick). Auf dem Orsasjön kann man eine ca. 25km lange Runde drehen (weitere Abstecher sind möglich) und je nach Wind und Eisoberfläche dauert das knapp über eine Stunde. Je nach Schnee auf dem See kann man aber auch einfach ausserhalb der Spuren fahren. Es ist herrlich entspannend bei Sonnenschein über das Eis zu gleiten und den Gedanken freien Lauf zu lassen – nach 1-2h flottem Laufen ist auch der restliche Körper ordentlich bedient. Es kann allerdings sein, dass ich heute (29.03.) zum letzen Mal in diesem Winter gefahren bin, da es nun ziemlich taut und einige Spalten im Eis sind, die einem den Weg versperren und es wird auch einfach ein bisschen zu riskant, auch wenn man seine Sicherheitsausrüstung bei sich hat (z.B. Eispickel um sich bei einem Einbruch wieder aufs Eis zu ziehen; ich hoffe das ich die nicht brauchen werde, auch wenn es heute fast soweit war).
Die Abfahrtpisten in der Gegend, die man sogar von unserem Balkon aus sehen kann, haben wir diesen Winter aber noch nicht frequentiert – dafür reicht einfach die Zeit mit den Kindern nicht. Elin wünscht sich aber zu Weihnachten ein Paar Skier, wie sie schon mehrfach betont hat – am liebsten in ROSA!!!
Letztes WE waren wir mit den Mädels mal wieder auf dem See spazieren und kamen mit einem älteren Eisangler ins Gespräch. Wir haben es dann auch mal probiert und in 5 Minuten 3 Fische rausgezogen: Elin war schwer beeindruckt von ihrem Alten. Mal sehen, vielleicht werden wir ja noch regelmässig Angler. Ein Kollege bekommt immer Fisch von den Patienten geschenkt, vielleicht ist das auch die bessere Alternative – die Lachsforellen waren jedenfalls sehr lecker!
Januar 7th, 2008 at 10:16pm
Liebe Freunde,
nach gut sechs Wochen in Mora haben wir endlich einen Internet-Anschluss und können uns an unsere homepage machen.
Der Umzug lief einigermaßen glatt aber wird sicher nicht ein Hobby von uns! Elin schwärmt immer noch von der Fährfahrt mit Piraten an Bord und von unserer Kabine, aber die ersten Wochen merkte man doch, dass der Abschied aus HD sie doch beschäftigte, vor allem wenn wir uns Bilder von dort ansahen oder sie einen Brief ihrer Kinderkrippe erhielt. Nun kann man aber sagen, dass sie sich doch ziemlich komplett umgestellt hat, sich hier sehr wohlfühlt, die ersten schwedischen Wörter annimmt. Obwohl Julie mit den beiden 2-3x/Woche in eine freie Kindergruppe geht, wo viel gebastelt und gesungen wird und wo sie alle einfach auf Deutsch zuquatscht, merkt man aber doch, das ihr eine feste Kindergruppe fehlt. Ende Mai sollte diese Wartezeit dann aber auch vorbei sein.
Es hat alles ziemlich lange gedauert: erstmal haben wir unsere Personalnummer beantragt, das dauerte 10 Tage. Ohne diese Nummer steht man in Schweden knapp unterhalb der Elche und Rentiere. Sobald man sie hat, muss man sie auswendig lernen, da man sie ständig braucht und ganz komisch angeschaut wird, wenn man nachgucken muss wie sie heisst. Hier lernt jedes Kind in der Grundschule sofort seine Nummer auswendig. Man bekommt sie zur Geburt und wird damit begraben – geändert wird sie nur, wenn man eine Geschlechtsumwandlung bekommt und das haben wir gerade nicht geplant.
Erst mit der Nummer kann man dann auch Telefon und Internet anmelden und so langsam die bürokratischen Mühlen in Gang setzen. So langsam haben wir aber alles geregelt, jetzt müssen wir nur noch das Auto ummelden. Zwei Wochenlang konnten wir erstmal das Haus einrichten und uns in der neuen Umgebung und mit den winterlichen Verhältnissen zurechtfinden. Dann fing für Gunter der Ernst des Lebens wieder an: 12 Wochen Schwedischkurs in Falun, das liegt ca. 85km entfernt. Er fährt jeden Morgen mit 4 anderen Ärzten und Schwestern im gestellten Auto hin und nachmittags zurück. Es ist doch eine komisches Gefühl wieder die Schulbank zu drücken und abends nachdem die Kinder im Bett sind seine Hausaufgaben machen zu müssen. Es ist teilweise sehr anstrengend und wir schlafen im Auto auf der Rückfahrt, aber es macht natürlich auch riesig Spass wieder eine neue Sprache zulernen und die schnellen Fortschritte zu sehen.