Schwedisch für Ärzte

Die Erlebnisse der Familie Häselbarth in Mora (Schweden)

Midsommar am Siljansee

Gestern war es dann soweit, nachdem die Tage länger und länger geworden waren, seitdem wir im Januar angekommen sind: in allen kleinen Dörfern und Städten rund um den Siljansee fanden die traditionellen “Midsommar”-Feiern statt. Am Donnerstag waren wir bereits hier in Kråkberg, unserer neuen Heimat, beim Schmücken der “Majstange” dabei. Die Männer schleppten bündelweise Birken ran und schnitten Birkenreisig ab , während die Frauen und Mädchen die (noch) liegende Stange mit dem Reisig schmücken. Diese Tradition kommt wahrscheinlich aus Deutschland, deshalb heisst sie auch Maistange und nicht Mittsommerstange, oder ähnliches. Die Schweden geben aber auch die mögliche Erklärung an, dass es das Wort “majar” gibt, was bedeutet “etwas mit Birkenreisig schmücken”. Was da allerdings Henne und Ei ist, bleibt wohl auf ewig ein Rätsel. Es war ein bisschen wie Adventskranz binden, also waren wir ja nicht komplette Novizen, aber die erfahrenen schwedischen Frauen schauten immer ein bisschen genauer bei Julie und Grit hin, einer deutschen Freundin, die auch hier um die Ecke wohnt. Aber sie waren unglaublich nett und haben sich riesig gefreut, dass wir kamen. Elin flitzte auch überalle herum und hat sich gefreut mit den Kindern um die Stange zu spielen.

Am eigentlichen Mittsommertag (der Freitag vor dem Samstag, der zwischen den 20.-26.06 fällt), waren wir dann bei Eltern schwedischer Freunde in Garsås eingeladen, einem kleinen Dorf 18km östlich von Mora. Eine wunderschöne ländliche Idylle mit weitschweifendem Blick über den See und die blauen Berge im Westen. Vor jedem Haus standen überall eine Menge Autos, denn alle kehren für diesen Tag nach Hause zur Familie und es war der Zeitung sogar eine Stauwarnung wert für bestimmte Strecken in Dalarna – wenn man aus D kommt, muss man da aber doch ein bisschen schmunzeln, die Dimensionen sind eben doch ein bisschen anders. Kaum angekommen ging es dann erstmal mit dem Essen in grosser Runde los und natürlich gehört dazu auch Bier, Wein, Akvavit oder Absolut-Vodka. Um kurz vor 17.00h kam dann die Traktorparade mit traditioneller Musikgruppe auf dem Anhänger durchs Dorf gerollt und holte alle von ihren Häusern ab. Vor allem die Kinder freuten sich natürlich, da sie hinten auf den Anhängern mitfahren konnten.  Elin war besonders von den Blumenkränzen in den Haaren der Mädchen beeindruckt.

In der Dorfmitte wurde dann weiter traditionelle Musik gemacht und dann die Majstange von den Männern mit langen Stöcken und purer Muskelkraft aufgerichtet. Als der Baum einmal aufgerichtet war, wurde dann gleich getanzt, dies taten vor allem die Kinder mit Eltern – Elin und wir natürlich auch dabei -, häufig in schönen lokalen Trachten gekleidet. Es war wieder sehr auf die Kinder zugeschnitten, wie man es so häufig sieht hier in Schweden. Anschliessen schlenderten wir wieder nach Hause und tranken Kaffe, Kuchen und Akvavit und die Kinder spielten draussen bis in die Puppen. Als wir nachts um 22.30h nach Hause fuhren, verschwand die Sonne gerade am Horizont und Elin war auch fasziniert von der Abendstimmung und schlief vor Aufregung nicht mal ein, obwohl sie eigentlich hundemüde war. Überall spielten die Kinder nach noch bis  tief in der Nacht auf den Strassen.

Vor genau einem Jahr waren wir hier in Mora, um die Gegend, das Krankenhaus und Drumherum kennenzulernen. Damals kam uns aus Stockholm kommend eine Kolonne von Autos aus Richtung Siljansee entgegen, die hierher fürs lange Mittsommerwochenende gekommen waren.  Von jetzt an werden die Tage langsam kürzer werden, aber so lange wie sie jetzt sind, wird das sicher noch eine Weile dauern und wir freuen uns noch auf einen hoffentlich langen skandinavischen Sommer. 

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I want my Ebrantil….

Noch den ersten Wochen bei der Arbeit fühlt man sich ja ab und zu ins PJ zurückgeworfen, so hilflos steht man da, wenn einem die basalsten Kenntnisse fehlen:

Notaufnahme, Patient mit Blutdruck 250/130mmHg: ok, 2 Hub Nitro geben die Schwestern, als ich sie darum bitte, aber dann stehe ich doch etwas hilflos da und frage die Schwestern, was man denn noch so geben könne. Ebrantil, Urapidil, Catapresan, Clonidin - ich schaue nur in grosse Augen. Mist, wo ist mein schwedischer Kollege, der mich einarbeiten soll. Ich frage ihn um Rat und er druckst etwas rum: naja, Nitroperfusor , geht, aber nicht hier in der Aufnahme, ACE-Hemmer und Calciumblocker, aber eben nur oral und zu langsam, aber probiers es doch mal mit Trandate. Klingt so ähnlich wie Anexate, aber stellt sich als Labetalol heraus, ein mir bis dato völlig unbekannter ß-Blocker, und soll gut helfen als Perfusor. Sonst eben Nitroperfusor auf Intensivstation. OK, keine Ahnung, aber das probieren wir jetzt einfach mal, aber ein bisschen komisch kommt man sich doch vor. I want my EBRANTIL!!!!

“Gunter, Stig in Zimmer 7 erbricht.” “Kein Problem, gebt ihm doch mal ein bisschen MCP!” “Haben wir schon gemacht, hat aber nichts geholfen!” “Ok, wie wäre es mit ein bisschen Vomex.” “???” “Dimenhydrinat?” “???”. 20min, viele Fragen an schwedische Kollegen und eine Internetrecherche später, einigen wir uns dann doch auf Ondansetron – ganz schön teuer und ungewöhnlich, wenn man aus D kommt, auch mein in England ausgebildeter Kollege aus Nigeria berichtet über alle mögliche Antiemetika aus GB, die es hier nicht gibt. Eine Entscheidung, die zu Hause ca. 10sec kostete, dauert hier (noch) fast eine halbe Stunde und das merkt man natürlich auch in seiner Arbeitsroutine, da muss man doch oft mehr Zeit einrechnen. 

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Hej, Gunter heter jag….. hur mår du idag?*

Nun wollte ich mal berichten, wie sich die Arbeit im Krankenhaus so angelassen hat. Nach nun 4 Wochen in der Klinik, hat man ja doch schon einiges gesehen und so langsam kristallisieren sich die Unterschiede zu Deutschland heraus.

Ich arbeite auf einer internistischen Station, wo wir das gesamte internistische Spektrum sehen mit einem nephrologischen Schwerpunkt. Damit habe ich ja in Bruchsal wirklich nicht viel zu tun gehabt und da muss ich mich zusätzlich zu Sprache und System auch noch einarbeiten, aber es macht Spass und ist sehr interessant. Die Dialyseabteilung ist direkt daneben und man hat jederzeit kompetente Ansprechpartner, seien es Ärzte oder Schwestern. Die Einarbeitung geht zum Glück noch recht langsam vorran und manchmal fühlt man sich ein bisschen auf Famulatur/PJ-Niveau, aber es geht mit jedem Tag besser. Ich arbeite im Moment wie die Assistenzärzte, da man erstmal die Basistätigkeiten kennenlernen muss, aber das wird so wohl recht bald ändern. Ich bin Roland zugeteilt, dem erfahrensten Oberarzt der mediz. Klinik und er ist immer da, wenn ich Hilfe brauche. Jeder junge Arzt oder Neuanfänger hat hier einen Anleiter, der steht von vornherein fest und ist dafür verantwortlich, dass man das lernt was man wissen muss, damit man kompetent und selbständig arbeiten kann.

Überhaupt muss man sagen, dass die Organisation völlig perfekt ist hier, wenn man das mit den teilweise chaotischen und improvisierenden Verhältnissen in Deutschland vergleicht. Es gibt sehr viele Handlungsanweisungen und Richtlinien für Schwestern und Ärzte und im Gegensatz zu D sind diese auch jederzeit und überall auffindbar und es wird sich auch sehr streng daran gehalten. Dadurch wird ein hoher und vor allem auch gleichmässiger Standard der Behandlung garantiert und die Richtlinien werden von den grossen akademischen Krankenhäusern nach internationalen EBM-Standards erstellt und auch ständig aktualisiert. Dann werden sie noch von ökonomischer Seite durch die finanziell zuständigen Landstingets (mediz. Verwaltung der Provinzen) abgeklopft. So etwas wie “so haben wir das schon immer gemacht, so machen wir das auch jetzt, da habe ich gute Erfahrungen mit gemacht, basta!” das  gibt es hier nicht. Da es aber ja keinen Chef gibt und man als Oberarzt völlig selbständig arbeiten kann, hat man nicht das Gefühl, als wäre man nur ausführender Roboterarzt und es bleibt ja auch noch genug Spielraum um sich selbst einzubringen.

Was man aber am meisten kennenlernen muss ist das hiesige System: es ist ja ein völlig staatliches System, fast wie in der DDR und da läuft einiges anders, als ich es gewohnt war. Ausser der sehr guten Organisation, ist es vor allem sehr kosteneffektiv angelegt. Die Patienten bleiben nur sehr kurz in der Klinik und es wird möglichst viel ambulant  gemacht in den vielen Ambulanzen der Klinik, wo ich auch sehr viel arbeiten werde. Wenn ein Patient entlassen wird gibt es eine lückenlose Betreuung, welche durch die Schwestern oder Sozialarbeiter organisiert wird. Z.b. ist die Rehaklinik 2 Stockwerke über uns und auch alle Altersheim und ambulanten Pflegedienste gehören ja auch zu unseren Landstinget, dass heisst wir sind alles Kollegen sozusagen und deshalb ist es keine Frage, dass man zusammenarbeiten muss. Es gibt ja auch nur eine staatliche Apotheke (bis jetzt, das soll sich wohl ändern) und so schicke ich der Apotheke, wenn ein Patient nach Hause geht schnell ein Rezept über alle neuen Medikamente und dann sich der Patient die Medis entweder bei uns im Krankenhaus oder bei jeder Apotheke in Schweden, die mein Rezept sofort abrufen kann, abholen. Doppeltverschreiben gibt es nicht hier und ob ein Patient bald neue Tabletten braucht, sehe ich mit ein paar Mausklicks im PC. Witzig wenn man aus D kommt ist auch, dass man dem Patienten, wenn er nach Hause geht einen Brief mitgibt, der an ihn und die Angehörigen gerichtet ist, wo sie nochmals grob nachlesen können was los war; dementsprechend muss man es auch allgemein verständlich formulieren (Kurzfassung ungefähr so: Lieber Jan, du warst hier wegen Husten und Fieber. Im Röntgenbild und Blutuntersuchung  fanden wir eine Lungenentzuendung, aber keinen Tumor. Wir haben dich mit Antibiotikum behandelt. Ein Rezept habe ich zur Apotheke geschickt, wo du die Medis abholen kannst. Du musst das Antibiotikum noch bis … weiternehmen. In 2 Wochen muss man dies oder jenes kontrollieren. Alles Gute, Dein Gunter)

Wenn man aus Bruchsal kommt, ist es schon fast ein Kulturschock, wie hier mit dem Computer gearbeitet wird. Alles ist völlig digitalisiert und ich kann hier in unserer Provinz Dalarna, alles über meine Patienten lesen, was sich seit 1999 in ihrer Krankenakte steht, aus allen medizinischen Fachrichtungen, samt allen Laborbefunden, Röntgenbildern, EKG, Lufus, etc, wer, wann welches Medikament verschrieben hat, welche Schwester am 13. Mai 2001  um 21:11h den RR gemessen hat oder wer dem Patienten wann und welche Tablette gegeben hat. Es ist der völlig gläserne Patient und Schweden ticken da völlig anders als Deutsche. Datenschutz ist ein Fremdwort und der Glaube an den guten, für das Individuum vorsorgenden Staat ist unendlich. Wenn man da das Hickhack mit der Gesundheitskarte in D denkt, muss man schon ein bisschen schmunzeln. Alle sind aber auch sehr konsequent und es wird enorm viel dokumentiert auch von den Ärzten und man loggt sich am Tag ca. 30-50 in den PC ein und muss auch alle Laborwerte, Aufzeichnungen mit Passwort abzeichnen. Da wird wirklich völlig lückenlos dokumentiert und auch die Schwestern machen natürlich Visite mit Laptop. Man kann aber auch völlig in Ruhe in seinem Zimmer – natürlich hat jeder Arzt hier ein Zimmer mit PC, Kleiderschrank, Regal und Drucker, auch die Neuanfänger von der Uni – schon mal eine kleine Kurvenvisite machen, bevor man sich überhaupt auf Station sehen lässt morgens und weiss schon welche Patienten einen erwarten.

Manchmal denkt man aber auch, dass man einen Bürojob hat soviel sitzt man vor dem PC. An jedem PC ist auch Diktiergerät und alles wird sofort diktiert und je nach Dringlichkeit von den Arztsekretärinnen, die auf jeder Station und noch in einem zentralen Schreibzimmer sitzen geschrieben. Das ist schon angenehm ohne grosse Aktenberge an seinem Schreibtisch zu diktieren und wenn einem einfällt, dass noch ein Befund fehlt, dann schaut man eben einfach im PC nach und blätter durch die elektronische Akte. Man kann sich auch alle noch nicht geschriebenen Diktat jederzeit an jedem PC anhören.

Das frappierenste aber wenn man aus D kommt ist die Ruhe die hier herrscht: Aufregung oder Hektik habe ich noch nicht erlebt, nicht mal wenn ein Patient eine Magenblutung hat und einen Hb von 5. Man nimmt sich Zeit für einander, die Leute sind sehr höflich, vor allem auch zu den Patienten und vor allem auch die Krankenschwestern haben oder nehmen sich viel Zeit. Man merkt das z.B. daran, dass fast kein Patient hier einen Blasenkatheter hat. Alle werden aufs Klo oder Toilettenstuhl gebracht oder haben eben Windeln. Auch eine Magensonde ist schon sehr ungewöhnlich, da sich auch mit dem Füttern viel Zeit genommen wird. Fast kein Patient hat eine Thrombosprophylaxe: es gibt genug Personal, das die Patienten aus dem Bett holt, (fast) alle Patienten nehmen ihre Mahlzeiten im Speisesaal zu sich, aktive Thromboseprophylaxe sozusagen. Die personelle Besetzung ist eben auch deutlich besser, aber es gibt eben auch nur ca. 70-80 internistische Betten für ca. 85.000 Menschen in unserem Einzugsgebiet, da kann man natürlich auch mehr Personal pro Bett zur Verfügung stellen.  Die Ressourcen sind schon schmaler als in D, aber sie werden sehr optimal ausgenutzt und es wird eben auch keine Untersuchung doppelt gemacht und man muss jede Untersuchung sehr genau begründen. Die Konsilanschreiben für ein Sono-Abdomen, welches die Radiologen machen, sind länger als mancher Kurzarztbrief in Deutschland.

Was auch sehr gut läuft ist die Patientencompliance und Nachbetreuung. Es gibt Schwestern für alles: Antikoagulations-, COPD-, Diabetes-, Fussambulanz-, Echo-, Heimdialyse-, Schlaganfall-,  Herzinsuffizienzschwestern, die die Patienten teils selbständing, teils mit Ärzten auch in eigenen Ambulanzen nachbetreuen. Damit ist doch eine sehr hohe Compliance nach Entlassung gewährleistet. Welcher dt. Arzt nimmt sich schon eine halbe Stunde Zeit mit seinem COPD-Patienten nochmals alles Inhalationen zu erklären und alles über Sauerstoff zu besprechen und dass dann in gewissen Abständen auch wieder zu kontrollieren. Die Konkurrenz zwischen Ärzten und Schwestern gibt es nicht und ich hatte schon mehrere Fortbildungen von Schwestern für Ärzte – in D fast undenkbar! 

Mit der Sprache geht es auch schon super und ich mache meine Visiten alleine und komme da gut zurecht. Wenn es nicht geht, weil einige alte Leute ohne Zähne zu sehr nuscheln, dann helfen die Schwestern. Aber es gibt eben andere Medikamente mit anderen Namen und auch ganz andere Standards als in D und da muss man eben auch sehr viel lernen und umdenken, aber es macht auch Spass zu sehen, dass Medizin eben verschiedene Wege zum Ziel führen. Nur in der Inneren sind wir glaube ich ca. 20 ausländische Ärzte, es ist unglaublich, aber es belebt auch und jeder bringt neue Ideen mit (8xD, Polen, Irak, Holland, Rumänien, Bulgarien, Österreich, 2xSyrien, 4xGriechenland, ?) und auch in den anderen Abteilungen sind es bunte Mischungen. Mittags ist immer eine Stunde Mittagspause und da gehen alle ins Klinikrestaurant essen und Kaffeetrinken und das ist völlig heilig, genauso wie die Kaffeepause morgens nach der Röntgenbesprechung – da herrscht dann auch immer ein wildes Sprachenmischmasch, aber alle kommen doch auf Schwedisch zusammen. Da wird man auch nie angefunkt, wobei man überhaupt sagen muss, dass der Piepser hier nur selten losgeht, ausser wenn man Dienst hat.

Überall hängen PCs in denen man sich als Stechuhr morgens und abends ein- und ausloggt und immer sein Zeitkonto sehen kann. Diese Zeiten werden auch knallhart ausgeglichen, da gibt es kein Wenn und Aber. Es ist schon komisch, wenn man um 16.15h aus der Tür marschiert, um nach Hause zu gehen. Man macht sich aus Gewohnheit aus Deutschland fast automatisch noch ein bisschen klein und denkt man sollte die Hintertür benutzen, aber das ist gar nicht nötig. Letztens traf ich meinen Chef, der meinte nur jetzt werde es aber Zeit, denn es sei schliesslich so schönes Wetter und die Kinder warteten ja zu Hause. Man könnte noch vieles schreiben, aber jetzt muss mal Schluss sein, wen es interessiert sollte halt mal vorbeikommen und es sich selbst anschauen. Vielleicht war das alles ein bisschen positiv und der Anfangseuphorie geschuldet, über die negativen Seiten, vor allem wenn ich mehr noch als Oberarzt eingebunden werde und auch an Wochenenden und Nächten arbeite, schreibe ich dann ein anderes Mal.

* “Hallo ich heisse Gunter, wie geht’s Dir heute?” – die übliche Vorstellung bei den Patienten während meinen Visiten

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Wir haben neuen Nachwuchs bekommen…!?

 

Jetzt ist es also passiert, worauf wir so lange gehofft haben: nein es ist nicht Kind Nr. 3 unterwegs, aber wir haben ein neues Baby – unser neues Haus! Wie in Schweden üblich, wurde auch unser Haus vom Makler versteigert. Nachdem wir es uns lange hin und her überlegt hatten, das Haus zweimal besichtigt hatten und unsere Finanzen hin und her gerechnet hatten, haben wir uns zur Teilnahme an der Auktion entschlossen und uns ein Limit gesetzt. Julie hat das dann eiskalt durchgezogen und ich bekam dann von Julie bei der Arbeit die SMS zuschickt: Vi köpte hus! (Wir haben das Haus gekauft!).

Es erscheint einem noch total unwirklich, auch wenn wir noch am Tag der Auktion unsere Verkäufer trafen und am nächsten Tag den Vertrag unterzeichneten. Wir haben jetzt noch keine Öre bezahlt, aber wir haben schon den Schlüssel, waren schon ein paar Mal dort, haben ein paar Sachen rübergebracht und heute sogar schon eine neue Hecke gepflanzt. 

Das Haus ist von 1930 und wurde jetzt komplett renoviert mit neuer Küche, Bädern, Böden und Heizung (Pellets). Aussen und innen wurde alles gestrichen und natürlich im traditionellen Falu-Rot mit weissen Kanten. Das Grundstück ist 2400m2 gross (nicht gerade klein, wenn man aus D kommt!) und es gehören noch 5 Nebengebäude dazu. Eine einstöckige Scheune, die nochmals 250m2 hat, ein alter ebenfalls einstöckiger Heuschober, den Elin schon als ihr Kinderhaus vereinnahmt hat – er ist ausgebaut mit 2 Betten und kleiner Küche unten und nochmals 2 Betten oben. Dann gibt es noch 2 kleine Häuser mit 25m2 und 45m2 in denen nochmals je 3 Betten sind und kleine Küchen. Die wurden wohl früher an Sommergäste vermietet und im Spätsommer an polnische Beerenpflücker. Die Häuser sind trocken und gut erhalten und im alten Stil, aber da werden wir einiges machen müssen und wollen, damit sie für Gäste wieder angenehm bewohnbar werden. Vor allem müssen wir die Wasseranschlüsse überarbeiten und Klo und Dusche reinbauen. Das sind aber alles Zukunftsprojekte, Mitte Juni ziehen wir erstmal ein und dann werden wir versuchen nebenher daran arbeiten.

 Auch der Garten ist vernachlässigt worden und dort wartet viel Arbeit. Es ist richtig interessant zu lernen, was hier so alles wächst und wir haben schon Apfel-, Birn- und Süsskirschbaum in Planung. Es gibt mehr winterharte Pflanzen, die auch die hiesigen klimatischen Bedingungen überstehen, als man denkt.

Das Haus liegt in Kråkberg (kråka = Krähe) und ist ca. 2km von Moras Stadtzentrum entfernt. Es sind aber nur 300m zum Sandstrand am See, den wir von unserem Balkon auch etwas sehen können. Es ist eine herrliche Badestelle für Kinder und im Winter läuft Gunters geliebte Schlittschuhbahn direkt am Ufer vorbei – da kann er dann abends nochmals schnell eine Runde drehen.  Eine unserer (nicht ganz direkten) Nachbarinnen ist Uschi Disl, die deutsche Biathletin, die sich hier auch ein Sommerhaus gekauft hat. Es ist ein kleiner Vorort, wo jeder jeden kennt und als wir heute unsere Hecke pflanzten, hielten ständig Leute an und wollten uns begrüssen, wissen wer wir sind und sich vorstellen. Man fühlte sich jedenfalls willkommen. Die Schwiegertochter unserer Nachbarn kommt aus Stuttgart und kam heute auch schon zum schwätzen herüber.

Es fühlt sich merkwürdig an, plötzlich Hauseigentümer zu sein, aber es ist auch phantastische Möglichkeit sich endlich einmal so zu verwirklichen, wie wir es uns erträumt haben, als wir nach Schweden gezogen sind. Wir planen am 2. Wochenende im Juni umzuziehen und dann gibt es mehr Infos zum Haus. Bis dahin müssen wir aber erstmal noch das Geld lockermachen und das ist organisatorisch auch nicht so leicht mit einem finanziellen deutsch-schwedischen Spagat. 

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Der Frühling kommt nicht, der Frühling kommt, der Frühling kommt nicht, der Frühling kommt…..!?

 

Nun haben wir Mitte April erreicht und so langsam hat man doch das Gefühl, daß das ewig Hin und Her zwischen Winter und Frühling entschieden ist. Die Sonne scheint, der Himmel ist blau und die Schweden kommen aus ihren Häusern gekrochen. Untrüglichstes Zeichen, das es wohl wirklich Frühling wird, ist das der spitze Split von Strassen und Bürgersteigen verschwindet. Alle sind draussen und fegen, harken und schippen zusammen und die Strassenreinigung hat alle Hände voll zu tun.

Auch bei uns kommen die Frühlingsgefühle auf: wir haben schon Blumen, Gemüse und sonstige Pflanzen in Töpfe und Blumenkästen gepflanzt und alles spriesst und gedeiht. Aber draussen ist es vor allem in klaren Nächten doch noch empfindlich kalt und wenn wie letzte Nacht Salat und Erbsen draussen vergisst, kann man gleich nochmals neu pflanzen (bei -5°C überleben nur die härtesten!!!). Überall singen die Vögel, auch solche die nun nach dem langen Winter endlich wieder in den hohen Norden zurückgekehrt sind: Stare, viele Enten, Kraniche, Kiebitze, Großer Brachvogel, und, und, und. Jeden Tag entdeckt man neue Arten.  

Die Tage sind nun schon sehr lang und wir nutzen die Zeit. Vor einigen Tagen war Gunter noch bis 21h im Wald joggen und gestern abend haben wir die Grillsaison eröffnet. Am grossen Lagerfeuer am neuen Haus von deutschen Freunden mit Blick auf den Sonnenuntergang über dem Orsasee, schmeckten Würstchen, Lammkoteletts und Bier einfach nach Sommer. Elin und Lilith waren auch begeistert. Sie sind allerdings noch nicht so begeistert davon, abends bei strahlender Sonne ins Bett zu gehen – mal sehen wie das im Sommer wird, wenn es kaum noch dunkel wird.

Heute morgen haben wir den zweiten Fahrradausflug gemacht zum Siljansee und lange in der warmen Sonne am Wasser/Eis gesessen und gepicknickt. An den Uferrändern ist immer noch ein ca. 50-100m breiter Eisstreifen, der nun aber schnell zurückgeht, aber es hat immer noch hohen Spielwert für Kinder und Erwachsene (vor allem Papas!!!). Das Wasser ist herrlich blau, aber der Wasserspiegel noch etwas niedrig, da wohl via Stauwerke noch Platz für die kommende Schneeschmelze in den Bergen vorgehalten wird.

Wenn nun das Eis auch von den Flüssen wegtaut, kann man auch mal drüber nachdenken die Paddelboote aufs Wasser zu lassen. Es gibt ja einige nette kleine Flüsse direkt in der Nähe, die eine Erstbefahrung durch uns wünschen und die wohl im Sommer zu trocken sind, also muss man die Schneeschmelze noch nutzen. Elin ist schon ganz heiß aufs Beerenpflücken und würde am liebsten schon die letztjährigen Preiselbeeren, die nun unter dem Schnee hervorkommen, einkassieren.  

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